Der Traum des schlafenden Zirkusdirektors
Emma konnte nicht schlafen. Durch ihr Fenster sah sie die bunten Lichter des Zirkus, der gerade am Waldrand Halt gemacht hatte. Sie hatte das Plakat gesehen: "Zirkus Fantastico – die wundersamste Show der Welt!" Obwohl es bereits spät abends war, zog sie ihre Hausschuhe an und schlich hinaus.
Am Zirkuszelt angekommen, entdeckte sie eine kleine offene Tür. Neugierig schlüpfte Emma hinein und gelangte in eine merkwürdige Welt. Der große Zirkusdirektor Salvatore saß auf seinem glänzenden Thron, doch er war eingeschlafen! Eine magische, silberne Uhr tick-tackte neben ihm.
Plötzlich bemerkte Emma, dass sich der Zirkus veränderte. Die Trapezartisten wurden zu schwebenden Sternen, die sanft durch die Luft drifteten. Die Jongleure warfen nicht mehr Bälle, sondern leuchtende Seifenblasen, die wie Träume aussahen. Die Clowns wurden zu winzigen, freundlichen Märchenwesen, die lautlos lachten.
"Willkommen," sagte eine sanfte Stimme. Es war die Zirkusprinzessin Luna, ein Mädchen etwa in Emmas Alter, das auf einem eleganten weißen Pferd ritt – doch das Pferd war aus Mondlicht gemacht! "Du bist in den Traum des Direktors eingetreten. Hier passieren nur wunderbare Dinge."
Luna erklärte, dass Salvatore jede Nacht denselben Traum hatte: einen Zirkus, in dem alle glücklich waren. Die Löwen schnurrten wie Kätzchen, die Seiltänzer schwebten gefahrlos durch die Luft, und selbst die schüchternsten Kinder wurden mutig und strahlend.
"Komm mit," sagte Luna und half Emma auf das Mondpferd. Sie ritten durch den traumhaften Zirkus. Emma sah die Elefanten tanzen – nicht aufgefordert, sondern weil sie es liebten. Sie sah die Akrobaten in Pyramiden fliegen, die wie Wolkengebilde aussahen. Überall war Musik, aber es war eine sanfte, beruhigende Musik, die direkt ins Herz floss.
Bei jeder Station erzählte Luna eine Geschichte. Von der Löwin, die keine Angst mehr kannte. Vom Jongleur, der lernte, dass auch Fehler schön sein konnten. Von den Clowns, die verstanden, dass echtes Lachen aus Freundschaft kommt.
Sie gelangten schließlich zu einem funkelnden See in der Mitte des Zeltes. Das Wasser war so klar, dass Emma den Himmel darin sehen konnte – voller Sterne, die langsam aufleuchteten und erloschen wie Atemzüge.
"Dies ist der Ort der Träume," flüsterte Luna. "Jeder, der hier ist, findet Frieden. Bald wirst auch du hier träumen."
Luna führte Emma zurück zur Tür. Die silberne Uhr des Direktors zeigte an, dass es Zeit war zu gehen. Salvatore schlummerte immer noch selig auf seinem Thron.
"Sag mir deinen Namen," bat Luna, und als Emma antwortete, nickte das Mondpferd sanft. "Dann wirst du jede Nacht einen Teil dieses Traums träumen. Du wirst die leuchtenden Seifenblasen sehen und die tanzenden Elefanten. Und du wirst wissen, dass du immer willkommen bist."
Emma fand sich in ihrem Bett wieder. Das Mondpferd war weg, doch ein warmenes Gefühl blieb bei ihr. Draußen waren die Zirkuslichter erloschen, aber Emma lächelte. Sie wusste, dass sie heute Nacht wunderbar träumen würde.
Sie schloss ihre Augen, und sofort sah sie schwebende Sterne...