🌙Gutenachtwelt

Das geheime Atemlabor unter der Wasserfläche

Lerngeschichte8-10 JahreWie Fische unter Wasser atmen22. März 2026

Willkommen in meinem speziellen Unterwasser-Forschungslabor! Ich bin Dr. Marina, eine Meeresbiologin, und heute möchte ich dir eines der faszinierendsten Geheimnisse der Natur zeigen: Wie Fische eigentlich unter Wasser atmen können, während wir Menschen das absolut nicht könnten.

Komm, schau dir zuerst diesen großen Glastank an. Siehst du den kleinen goldenen Fisch dort? Das ist Finn, unser Assistent im Labor. Er schwimmt ganz friedlich umher und atmet dabei kontinuierlich, ohne auch nur ein einziges Mal an die Wasseroberfläche zu kommen. Das ist möglich, weil Fische eine geniale biologische Erfindung besitzen, die du bei uns Menschen nicht findest: die Kiemen.

Lass mich dir die Anatomie von Finns Körper genauer zeigen. Wenn ich dieses transparente Modell hier hochhalte, kannst du sehen, wo sich die Kiemen befinden – direkt hinter Finns Kopf, unter diesen beweglichen Knochendeckeln. Diese Deckel nennen man Operkulum. Sie öffnen und schließen sich wie kleine Türen und spielen eine entscheidende Rolle im Atmungsprozess.

Hier kommt der spannende Teil: Wasser ist nicht einfach nur Wasser. Es enthält gelösten Sauerstoff – winzige, unsichtbare Sauerstoffmoleküle, die überall im Wasser verteilt sind. Wenn Finn sein Maul öffnet, strömt Wasser in seinen Mund. Dann schließt sich sein Maul, und das Operkulum öffnet sich. Der Druck im Mundhöhlenraum zieht das Wasser durch die Kiemen nach außen. Es ist wie eine biologische Pumpe – sehr clever, nicht wahr?

Jetzt zeige ich dir das Herzstück: Schau dir unter diesem Mikroskop die Struktur einer Kieme an. Du siehst diese feinen, rot gefärbten Fäden? Das sind die Kiemenblätter. Sie sind unglaublich dünn und voll mit winzigen Blutgefäßen. Die Oberfläche dieser Kiemenblätter ist riesig – größer als du vielleicht denkst! Bei einem großen Fisch kann die Gesamtoberfläche so groß wie dein ganzes Klassenzimmer sein. Das ist notwendig, weil der Sauerstoffaustausch sehr effizient sein muss.

Hier funktioniert nun ein faszinierendes Phänomen namens Diffusion. Der gelöste Sauerstoff bewegt sich von einem Ort höherer Konzentration (im Wasser) zu einem Ort niedrerer Konzentration (im Blut des Fisches). Gleichzeitig bewegt sich Kohlendioxid, das Abfallprodukt des Stoffwechsels, in die entgegengesetzte Richtung – aus dem Blut ins Wasser. Es ist ein perfekter Austausch!

Aber hier wird es noch interessanter: Fische nutzen ein System namens Gegenstrom-Prinzip. Das Wasser fließt in eine Richtung durch die Kiemen, während das Blut in die entgegengesetzte Richtung fließt. Dies ist unglaublich effizient! Es ermöglicht den Fischen, etwa 80 bis 90 Prozent des Sauerstoffs aus dem Wasser zu extrahieren. Menschen können mit ihren Lungen dagegen nur etwa 20 bis 25 Prozent des eingeatmeten Sauerstoffs nutzen. Fische sind Atmungs-Profis!

Unterschiedliche Fischarten haben auch unterschiedliche Strategien entwickelt. Manche Fische, wie Haie, haben mehrere Kiemenschlitze. Andere, wie diese Barsche hier, haben nur einen Kiemenschlitz pro Seite, der durch das Operkulum geschützt wird. Es gibt sogar spezialisierte Fische wie den Labyrinthfisch, der zusätzliche Organe hat, um atmosphärische Luft zu atmen – aber das ist eine andere Geschichte!

Siehst du? Das, was von außen einfach aussieht – ein Fisch, der durch sein Maul „atmet" – ist tatsächlich ein wunderbar komplexes System aus Pumpen, Oberflächen und chemischen Prozessen. Die Natur ist wirklich eine großartige Ingenieurin!

Wusstest du, dass...

  • ein Fisch sterben würde, wenn es zu lange außerhalb des Wassers ist, nicht weil ihm der Sauerstoff ausgeht, sondern weil seine Kiemenblätter austrocknen und zusammenkleben? Die Oberfläche kollabiert wortwörtlich, wie ein zusammengedrückter Schwamm!
  • der Lungenfisch eine spezielle Fähigkeit hat: Er kann in einem getrockneten Schlamm-Kokon monatelang überleben und nur atmosphärische Luft durch ein kleines Loch atmen, bis der nächste Regen kommt?
  • Korallenriffe teilweise deshalb sterben, weil der Sauerstoffgehalt im Wasser sinkt – nicht nur wegen Temperaturveränderungen, sondern auch wegen einer Überladung mit Nährstoffen, die zu unkontrolliertem Algenwachstum und Sauerstoffmangel führen?
    • der Fisch-Rekordhalter für die längste Zeit ohne zu atmen eine Art Schlangenkopffisch ist, der bis zu sechs Stunden überleben kann, indem er sich in feuchte Mulch vergräbt?
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