Die kleine Prinzessin Luna und der sanfte Drache Flamm
Einmal lebte in einem weit entfernten Königreich eine kleine Prinzessin namens Luna. Sie hatte lange, blonde Haare und liebte es, in ihrem Schloss Märchenbücher zu lesen. Aber Luna war nicht traurig und einsam, nein! Sie hatte einen ganz besonderen Freund – einen Drachen namens Flamm.
Viele Menschen im Königreich hatten Angst vor Drachen. Sie dachten, alle Drachen seien gefährlich und böse. Aber Luna wusste es besser. Sie hatte Flamm kennengelernt, als er noch klein war – kaum größer als ein Kätzchen!
Das war vor langer Zeit geschehen. Luna war in den verbotenen Wald hinter dem Schloss gegangen und hatte dort ein verletztes Drachenbaby gefunden. Seine FlĂĽgel waren zerrissen und er war ganz allein. Statt Angst zu haben, nahm Luna den kleinen Drachen in die Arme.
„Keine Angst," flüsterte sie sanft. „Ich helfe dir."
Seitdem waren Luna und Flamm untrennbare Freunde. Flamm war jetzt viel größer geworden – so groß wie ein Pferd! – aber er blieb immer sanft und liebevoll zu seiner Prinzessin. Er hatte warme, orange-rote Schuppen und große, grüne Augen, die wie Smaragde leuchteten.
Jeden Abend, wenn die Sonne unterging, flog Flamm zu Lunas Fenster im höchsten Turm des Schlosses. Die kleine Prinzessin öffnete die Fenster und Flamm legte seinen großen, warmen Kopf sanft auf die Fensterbank.
An diesem besonderen Abend war Luna sehr müde. Sie hatte den ganzen Tag im Königreich gespielt – mit den anderen Kindern, im Schloss-Garten herumgelaufen und so viele schöne Dinge gesehen.
„Flamm," sagte Luna mit verschlafener Stimme, „erzählst du mir heute eine Geschichte?"
Der Drache schnurrte leise – ein weiches, wohliges Geräusch, das wie das Knistern eines Kaminfeuers klang. Er legte sich außerhalb des Fensters auf die breite Burgmauer und Luna lehnte sich an seinen warmen Hals.
„Es war einmal," begann Flamm mit seiner tiefen, sanften Stimme, „ein Tal voller goldener Blumen. In diesem Tal gab es einen See, der so klar wie Glas war. Und jedes Mal, wenn der Mond aufging, leuchteten die Blumen in allen Farben des Regenbogens – rosa, blau, gelb und grün."
Luna schloss ihre Augen und stellte sich alles vor. Sie sah die wunderschönen Blumen vor ihrem inneren Auge.
„In diesem Tal lebten kleine, glückliche Drachen," fuhr Flamm fort. „Sie spielten zusammen, half sich gegenseitig und waren nie einsam. Und jeden Abend, wenn sie müde wurden, legten sie sich aneinander gekuschelt schlafen, um sich gegenseitig zu wärmen."
Flamms Stimme wurde immer leiser und ruhiger.
„Und weißt du was das Schönste war?" flüsterte er. „Sie träumten alle den gleichen Traum – einen Traum voller Freundschaft, Liebe und Geborgenheit."
Luna atmete ruhig und tief. Ihr Herz war voller Wärme. Sie war so dankbar für ihren wundervollen Freund.
„Ich liebe dich, Flamm," murmelte sie, bereits fast eingeschlafen.
„Und ich liebe dich, meine kleine Prinzessin," antwortete der Drache liebevoll.
DrauĂźen vor dem Fenster legte sich der groĂźe, orange-rote Drache zusammengerollt auf die Burgmauer. Der Mond schien sanft auf sein Gesicht. Und drinnen im Turm schlief die kleine Prinzessin Luna friedlich und glĂĽcklich ein, in dem Wissen, dass ihr bester Freund direkt neben ihr war und ĂĽber sie wachte.
Und wenn sie nicht gestorben sind, so schlafen sie noch immer…
Gute Nacht.